ppp / Jahresaustellung 2016

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“Von Anfang an die einzige Regel des Raumes ist sein Hinterlassen wie er vorgefunden wurde, nämlich leer.”

Im Rahmen der diesjährigen Jahresausstellung hat die Klasse Huber sich besonders jenen Kunst- und Aktivitätsformen gewidmet, die in klassischeren Formaten von Gruppenausstellungen und Akademieveranstaltungen oft untergehen. Damit sind Betätigungsfelder gemeint, welche nicht primär auf ein Produkt abzielen und keinen materiellen Rest als Kunstprodukt hinterlassen, also vor allem zeitlich und performativ und nicht zuletzt unmittelbar körperlich funktionieren.

Info auch unter: https://www.facebook.com/events/242590866126196/

PORT Der große Raum ist leer bis auf die angedeutete Säulenform, welche eine motorisierte Drehscheibe mit montiertem Beamer trägt. Sich drehend projiziert dieser unterschiedliche, vorher in demselben Raum abgefilmte Gruppenausstellungssituationen an die Wände. Sie beinhalten Arbeiten der Klassenmitglieder – teilweise die gleichen Arbeiten – in unterschiedlichen Konstellationen zueinander, in unterschiedlichen Präsentationsmodi und Formzuständen.
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PLAYLIST Im Kellerraum ist eine anonyme Soundcollage der Klasse aufgebaut. Download möglich unter https://www.dropbox.com/s/96gfr6nbqcll7oy/DIEPLAYLIST.mp3?dl=0

Details zum PROGRAM:

Samstag, 16.07.

Um 11 Uhr trifft sich die Klasse Huber am Beginn der diesjährigen Jahresausstellung zu einem Sektempfang. Dabei wird das Programm des 26er-Raumes feierlich angekündigt durch eine öffentliche Verteilung der Flyer mit Veranstaltungstabelle. Die Klassenmitglieder haben die Möglichkeit, sozusagen im Voraus ihre Visitenkarten zu distribuieren.

16Uhr: Judith Neunhäuserer – Promotion (eternal flame) [Dauer beliebig]
Das zentrale Objekt der Szenerie kündigt seine Aktivierung für Mittwoch, den 20.07. von 18-20 Uhr, an.

19Uhr: Biboul Darouiche und Miko Watanabe – Konzert
Bibouls Musik ist ein Portrait seiner multikulturellen Geschichte – von seiner Kindheit in Afrika bis hin zu seiner Arbeit als internationaler Musiker. Geboren in Kamerun, dann Syrien, Kopenhagen, Paris und München: Biboul hat viele Kulturen kennen und lieben gelernt. Rhythmen und Melodien der jahrtausendealten, traditionellen Musik der Bantu, fusionieren mit der westlichen Jazz- und Popkultur. Das Zusammenspiel in dieser Polyrhythmie ermöglicht eine riesige Improvisationsvielfalt.
Biboul Darouiche – loop station, vocals, percussion, bass, guitar, calimba
Miko Watanabe – drums, percussion
http://www.biboul.de
https://www.facebook.com/BiboulDarouiche
http://bantu-musicbooking.com
https://www.facebook.com/bantumusicbooking

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Sonntag, 17.07.

16Uhr: Pegelia Gold & Markus Zull – Konzert
Struktureller Minimalismus & aphoristiche Dichtung entfalten sich in den Klangsynthesen des Experimentalkünstlers Markus Zull & Chanteuse Pegelia Gold.  Das Duo arbeitet mit einem sich stets modifizierenden Klangbild, wobei im improvisatorischen Kontext Percussiontexturen auf mehrschichtigen Flächensounds entstehen. Zwischen Verssegmenten oszillieren abstrakte Formen, die das Wort in den Klang finden lassen und sich in sphärische Dimensionen öffnen, entrückt & feinsinnig, dynamisch & lebhaft.

 

18 Uhr: “/Portable No/”
Vortrag „Portable Negation: Über die Arbeit der Repräsentation und die Repräsentation von Arbeit“ der Kuratorin Stephanie Weber

Basierend auf von ihr kuratierten Ausstellungen (Lea Lublin, Rochelle Feinstein, Isa Genzken u.a.) und anderen Projekten diskutiert Stephanie Weber politische und ästhetische Dimensionen ihres Jobs als Museumskuratorin. Dabei spricht sie über Fragen von Autorenschaft vs. Anonymität, Installation und Lesbarkeit, Recherche, Bürokratie, Hierarchie und Enteignung in der Kunstwelt und lädt dazu ein, diese Aspekte gemeinsam zu diskutieren.
Stephanie Weber (*1978) arbeitet seit September 2014 als Kuratorin für Gegenwartskunst am Lenbachhaus. Dort realisierte sie kürzlich eine Ausstellung zum Werk der US-Amerikanischen Malerin Rochelle Feinstein sowie, im Jahr zuvor, eine umfassende Retrospektive zum Werk von Lea Lublin. Zuvor arbeitet sie als Assistenzkuratorin im Department of Media and Performance Art des Museum of Modern Art in New York, wo sie u.a. Ausstellungen zum Werk Isa Genzkens (2013) mitrealisierte. Als freie Kuratorin konzipierte sie die Ausstellung Poor Working Conditions (2014) mit Arbeiten von Rochelle Feinstein, William Pope L., B. Wurtz, Asger Jorn, Zoë Sheehan Saldaña u.a. Studium der Kunstgeschichte, Romanischen Philologie und Kulturwissenschaften in Münster und Bordeaux sowie der Museumskunde an der École du Louvre in Paris.

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John Miller, Portable Negation, 2008

Montag, 18.07.

14-16 Uhr: “Wer hat, dem wird gegeben. Das Unbehagen in der Kulturarbeit” EIn Radiobeitrag von Michael Hirsch und Martin Zeyn für das Nachtstudio von Bayern2:
http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/nachtstudio/kulturarbeit-lowbudget-ausbeutung-100.htm
Frage: „Projektverträge, schlechte Bezahlung, unzählige Überstunden – wer in einem Kulturbetrieb arbeitet, ist mit diesen Bedingungen vertraut. Michael Hirsch fragt: ‚Ist Prekarität der Normalzustand in der Kultur?‘ (…)“
Fazit: „Nur wenn bessere Arbeitsbedingungen für Kulturschaffende durchgesetzt werden, kann es wieder neue, selbstbewusste, stärker visionäre Werke geben. Denn nur dann können Ideen und individuelle Kräfte ohne Zwänge und vorgabenfrei fließen.“

18Uhr: Judith Bodendörfer -Münchens magische Moderne
Münchner okkulte Kreise von der Gründerzeit zum Nationalsozialismus
Der Glaube an Magie  und das Okkulte werden häufig als die Antithese der Moderne wahrgenommen. Er scheint das archaische Überbleibsel einer vorwissenschaftlichen Zeit zu sein, einer Zeit vor der „Entzauberung der Welt“. Wer sich allerdings mit der Geschichte des Okkultismus auseinandersetzt, dem zeigt sich ein ganz anders Bild.  Der Okkultismus ist nicht nur das Produkt der Moderne,  sondern muss auch als Katalysator für heute als modern verstandene Entwicklung angesehen werden, insbesondere auf dem Gebiet der Kunst und der Technik.  In München finden sich in den Polizeiakten ab dem späten 19. Jahrhundert dreissig verschiedene okkulte Vereinigungen mit teilweise illustren Mitgliedern, die ihre Spuren in der Geschichte der Stadt hinterlassen haben.  In ihrem Vortrag wird Judith Bodendörfer diese Spuren von der Münchner Gründerzeit bis zur „Hauptstadt der Bewegung“ nachverfolgen.

Judith Bodendörfer hat Religionswissenschaft, Philosophie und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert. Ihre Magisterarbeit trägt den Titel: „Das Übersinnliche als Objekt der Wissenschaftlichen Forschung am Beispiel der ersten Jahrgänge des Journal of the Society for Psychcial Research“ (2014), populärwissenschaftlich prägnant verkürzt: „Who you gonna call? Geisterbeschwörung und Parapsychologie im viktorianischen England“ (Vortrag auf der Munich NerdNite 2014). Seit April 2015 ist sie Doktorandin des Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen des Projektes “Die Genese der universitären Religionswissenschaft in der Auseinandersetzung mit nichthegemonialen, insbesondere theosophischen Traditionen”, das in das Verbundprojekt “Gesellschaftliche Innovation durch ‘nichthegemoniale’ Wissensproduktion” eingegliedert ist. Sie ist Gewinnerin des Fribourger Science Slams 2016, sowie des ersten Fribourger Religion Slams.

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Dienstag, 19.07.

17Uhr: Kalas Liebfried CARTE BLANCHE – Screening im A.EG_26
Im Rahmen des Programms “ppp” der Klasse Huber zur Jahresausstellung wird der von Kalas Liebfried, Mathias Reitz Zausinger, Patrik Thomas und Stefan Natzel gedrehte und von Yutanova Film produzierte Film “CARTE BLANCHE – Bulgarien und die Wende in der Kunst” präsentiert.
Trailer: https://vimeo.com/166704596
http://www.yutanova-film.com/
Der Dokumentarfilm “CARTE BLANCHE” taucht ein in die bulgarische Zeitgeschichte, erzählt von den namhaftesten bulgarischen Künstlern der Nachkriegszeit und schildert deren Produktionsbedingungen zwischen 1960 und der Wende 1989. Dabei werden den Lebenswegen der Künstler Alexander Gigov, Svetlin Rusev, Dimitar Kirov und Vladimir Dimitrov -Maistora sowie der Geschichte von deren Werken nachgesprürt. Nicht zuletzt werden die Wirrungen des einsetzenden Turbokapitalismus in den 1990er Jahren und deren Auswirkungen auf die Diskurse der bildenden Kunst thematisiert. Als Collage von Interviews, Reinszenierung und Videofootage aus den damaligen öffentlichen Programmen, entsteht so ein möglichst diverses Bild, das sowohl Fakten von der Konfrontation der Künstler mit dem real-sozialistischen Anspruch des Machtapparats in Erinnerung bringt, als auch ein abstraktes Zeitbild eines vergangenen Bulgarien ästhetisch zugänglich macht.

19 Uhr: “Thesen zu Kunst und Politik” Vortrag und offene Diskussionsrunde von und mit Michael Hirsch
http://www.michael-hirsch-archiv.de/
http://www.textem.de/index.php?id=2650

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Literaturangabe: LOGIK DER UNTERSCHEIDUNG – ZEHN THESEN ZU KUNST UND POLITIK. 48 Seiten. 150 x 100 mm, broschiert. 8 Euro. Erschienen im Textem Verlag, Hamburg 2015
Klappentext: Viele von uns befürworten intuitiv die Ästhetik subversiver Gesten gegenüber der bestehenden Gesellschaftsordnung. Aber auf welcher Vorstellung beruht diese Ästhetik? Und warum ist das Bedürfnis, künstlerische Werke anhand politischer Modelle zu beschreiben, so stark? Mit zehn Thesen zu Kunst und Politik plädiert Michael Hirsch für eine kritische Neubewertung unserer Sympathie für künstlerische Subversion.
Kritik: »Keiner insistiert derzeit entschiedener auf der Bedeutung einer Politik als Ort der Entscheidung einer Gesellschaft über sich selbst, gegenüber einer Kunst als souveräner ethischer Instanz als Michael Hirsch.« Marcus Steinweg
Autor: Michael Hirsch lehrt als Privatdozent für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Siegen. Er ist freier Autor in den Bereichen Ästhetik und politische Theorie und lebt in München

Mittwoch, 20.07.

18Uhr: Judith Neunhäuserer – Weightless [ca. 1 Stunde]
In einem Setting mit mehreren Szenen wird das Motiv des zentralen Objekts beschworen. Seine Präsenz wird von unterschiedlichen Handlungen und in verschiedenen Formen hervorgerufen.
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Donnerstag, 21.07.

17Uhr : Screening
Paul Valentin
“The Unobserved World” (2016, 16:9, 6:18min)
“Shutterstock” (2016, 16:9, 6min)
http://www.paulvalentin.de/

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Lilian Robl
„Winning hearts and minds“ (2016, 16:9, 06:43min)

Freitag, 22.07.

19Uhr: experimenteller Leseabend
Wir kennen Leute, die schöne Texte schreiben. Wir kennen Leute, die gute Performances machen. Wir haben sie eingeladen. Kommt vorbei, es wird …!
Es lesen und performen:
Michael Schmidt   Die Hütte
Daniel Bayerstorfer   Lyrik
Felix Kruis    Eine Landschaft, Der American
Sophie Schmidt   Mückengymnastik
Nora Zapf   Lyrik
Paul Valentin   Die Ratte
Sophia Mainka + Adrian Sölch   Ist der Raum des Fremden ein fahrender Zug?
Tristan Marquardt   Lyrik
Judith Neunhäuserer   Strahl

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Samstag, 23.07.

15Uhr: Annabell Lachner & Lilian Robl
Medium synchron
//19Uhr: Performance (ca. 30 Minuten)

Installationen aus im Raum vorgefundenen Objekten werden zum Instrumentarium der Untersuchung von Entscheidungsprozessen an der Schnittstelle zwischen Kunst und Kontext, formalen und inhaltlichen Strukturen, Sinn und Bedeutung.
Im Dialog der Figuren konstruieren elementare Symbol-Operationen der Wiederholung, Verschiebung und Übertragung Bedeutungszuweisungen, die in Symmetrie und Abweichung, in Identität und Ambiguität die in den Sprachen der Kunst impliziten Codes und Grammatiken greifbar machen.
(Text: Jörn Blachnitzky)

PerformanceA/L

20Uhr: Karin Schedlbauer Arial Videoscreening mit Installation End*less
http://www.karin-schedlbauer.de/



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