Manifest: Dschungel

Manifest: Dschungel eine Ausstellung von Adrian Sölch

Die Kinder flatterten wie Vögel durch den Wald. Selbst das Jüngste kam schneller voran als ich. Von Zeit zu Zeit blieben sie stehen, damit ich sie einholen konnte; sie warnten mich ständig: vor einem Jaguar hinter jenem Baum, vor einer Schlange, die an einem Ast hing, vor einer Spinne, die über meinem Kopf schaukelte. „Da!“ sagte Samuel und zeigte mir ein Blatt, das von Termiten so zerfressen worden war, daß es aussah wie venezianische Spitze. „Ist das nicht hübsch?“ Die drei Kinder kicherten und stoben davon. Wenig später konnte ich ihr körperloses Kichern noch durch die Bäume hören, ihre hellen, boshaften Sopranstimmen. Bis ich nur noch die Vögel hörte, deren Zwitschern mich an Glas erinnerte, das auf dem Boden zerspringt.

www.adrian-soelch.de

 



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